Sonntag, 24. November 2013

"Entschuldige, wo genau?!" - Mütter an besonderen Orten.

Wer hatte in seinem Leben noch nicht diesen Traum von fernen Ländern, Bergen, Stränden, anderen Kulturen. Doch diesen Schritt vom Auswandern wirklich durchzuziehen trauen sich nur die Wenigsten. Am allerwenigsten wenn man Kinder hat und mitten im Leben steht.

Heute nehme ich euch mit auf die Reise in unser schönes Nachbarland - die Schweiz. Dorthin verschlug es vor ein paar Monaten Marzi und ihre kleine Familie. Ein bewundernswerter und aufregender Schritt. Für euch hat sie mir ein paar Fragen zu ihrem neuen Leben beantwortet.

Seid gespannt, los geht's!

          Erzähle mir etwas über den Ort in dem du und deine Familie lebt.
Wir, also mein Mann Julius(29), ich(26) und unsere Kinder (Jamie 6 Jahre, Liam 4 Jahre) leben seit einem halben Jahr in der Schweiz, in Solothurn. Die Stadt ist mit ihren etwa 15'000 Einwohnern die Hauptstadt des gleichnamigen Schweizer Kantons Solothurn und bezeichnet sich selbst als «schönste Barockstadt der Schweiz». Sie liegt am Südfluss des Jura-Gebirges an der Aare. Es ist eine kleine, gemütliche Stadt. Man kann die Altstadt bequem in weniger als 5 Minuten zu Fuß durchqueren. Autos fahren in der Innenstadt kaum, für den normalen Verkehr ist dieser Bereich gesperrt. Und wenn man in einem der Cafés oder Restaurants der Stadt sitzt, kann man die leicht alternativ angehauchte Atmosphäre der kleinen Stadt spüren.  
Vor allem mit Kindern ein sehr großer Schritt - was hat dich bewegt in der Schweiz ein neues Leben zu beginnen?
Als ich meine Berufsausbildung in der Gastronomie absolvierte, träumte ich davon die Wintersaison in den Schweizer Bergen zu verbringen. Es war die klischeehafte Heidi-Idylle, die mich so berauscht hat. Mit der Familienplanung wurde dieser Traum weggeschoben- aber nie vergessen. Die Sommerferien verbrachten wir gerne in Italien. Doch diese eine Wanderung in den Bergen, auf dem Rückweg nach Deutschland, gefiel uns viel besser als die Tage zuvor mit Pasta, Sonne und Meer. Bei einem Käsefondue in den Bergen kam es dann über mich. Ich fragte meinen Mann ganz direkt: "Sollen wir nicht in die Schweiz ziehen?!" Dass wir schon 6 Monate später mit einem Ausländerausweis in der Tasche unsere Wohnung beziehen, schockierte viele Freunde und die Familie in Deutschland. Für die Kinder war es nicht so schwer wie gedacht. Meine Tochter entkam der Einschulung und darf nun noch ein Jahr in den Kindergarten.  
Im Vergleich zu Deutschland - wie viel kinderfreundlicher ist die Schweiz?
Sehr. Wir lebten zuvor in Köln. Dort hat es sicherlich viele freundliche Ecken und Orte, an denen man sich als Familie wohlfühlen kann, was sicherlich an der Kölschen Art liegt. Dass man dies allerdings noch übertreffen kann, haben wir erst in der Schweiz gelernt. Essen gehen ist hier eine Selbstverständlichkeit für die ganze Familie, Kinder sind kein Problem und gerne gesehen, auch noch am späten Abend. Ich glaube, es ist die Höflichkeit, die die Schweizer jedem entgegenbringen. Natürlich auch den Kleinsten. Vor allem aber herrscht hier ein großer Respekt den Müttern gegenüber. Hier sind die Mütter, die zu Hause bleiben und sich um die Kinder kümmern, normal. Ihre Arbeit wird hoch anerkannt und als sehr wichtig angesehen. Arbeitende Mütter haben es in der Schweiz eher schwer. Es herrscht noch ein sehr altmodisches Familienbild, welches wir sehr mögen und gerne leben.  
Gibt es Unterschiede zu den Kindergärten und Schulsystemen?
Die gibt es wohl. Allerdings in das in jedem Kanton der Schweiz anders. Bei uns in Solothurn gehört der Kindergarten ab 4 Jahren zur Schulpflicht. Demzufolge gibt es genügend Kindergartenplätze, welche die Eltern nichts kosten und praktisch immer in der unmittelbaren Nähe liegen. Nach der Kindergartenzeit treten die Kinder in die Primarschule ein, welche sechs Jahre dauert. Die Klassengrößen sind erfrischend klein und liegen bei ca 20 Kindern. In der ganzen Schweiz ist vormittags und nachmittags Unterricht. Die Ausnahme bildet der Mittwochnachmittag. In den ersten Klassen der Primarschule sind zwei Nachmittage frei, einer davon ist immer der Mittwochnachmittag. Aus deutscher Sicht ist die Benotung verkehrt herum: Der Sechser (6,0) ist die beste Note, der Einser (1,0) die schlechteste. Daher auch die falsche Behauptung, dass Albert Einstein eine 5 in Mathe hatte. Das stimmt zwar! Nur was viele nicht wissen, er ging in Aargau (CH) auf die Kantonsschule. 
Wie haben deine Kinder auf die "Schweizer-Küche" reagiert? Gab es überhaupt eine Umstellung und wenn ja, welches ist euer liebstes Gericht?
Eine Umstellung der Gerichte gab es nicht. Essen im Restaurant oder Einkaufen im Geschäft wird von den Deutschen allgemein als teuer empfunden bzw. bejammert. Ich behaupte, dass das Gegenteil richtig ist, wenn man die Qualität des angebotenen Essens berücksichtigt. Unsere Lebensmittel sind nun regionaler und weisen eine bessere Qualität auf. Sie schmecken auch besser. Unsere Alltagsgerichte sind gleich geblieben. Wir speisen zu anderen Zeiten. Es gibt das z´nüni, was das zweite Frühstück um 9 Uhr ist. Z´mittag wir bei uns um 12 Uhr gegessen und um z´vieri (um 4 Uhr) gibt es einen kleinen Snack aus Obst und Knausereien. Z´nacht wird schon um 6 Uhr gegessen. Danach geht's ins Bett.
Wie bringst du deinen Kindern die neue Sprache näher? 
Oh. Ich gar nicht. Schweizerdeutsch ist keine Sprache die man "einfach so" lernen kann. Man sollte es auch nicht tun! Es klingt lächerlich. Natürlich werden einige Begriffe übernommen. So ist der Kindergarten der Chindsgi, dahin fährt man mit dem Velo (Fahrrad). Mittags geht man in die Stadt fädele (bummeln) oder im Sommer ins Badi (Freibad). Dort tschute (spielen Fussball) die Buben (Jungen) und die Meitlo (Mädchen) flechten Zöpfli.
Bei meiner Tochter hat es ca 2 Monate gedauert, bis sie angefangen hat im Dialekt zu sprechen. Zu Hause reden wir weiter Hochdeutsch. 
Wo kauft die "Schweizer-Mami-von-Heute" die Klamotten für ihre Kleinen - hast du einen Geheimtipp?
Das gute Thema Einkaufen. In der Tat fahren Viele nach Deutschland zum Einkaufen. Die wenigsten sprechen darüber. Man soll halt das Schweizer Geld in der Schweiz halten, doch die Angebote aus dem Nachbarland locken dennoch. Einen Geheimtipp habe ich nicht. Wir suchen selbst noch nach dem besten Weg. Leider ist die Schweiz beim Thema online shopping noch etwas hinterher. Es gibt sehr wenige gute Shops mit noch weniger Auswahl. Nicht einmal H&M liefert. H&M Home gibt es in der Schweiz gar nicht. Beliebt ist bei den Schweizer Mamas vor allem die Marke Ralph Lauren für die Kinder. Mir ist es etwas zu bieder und spießig. 
Warum sollte eine 0815-Stadtmutti aus Deutschland inkl. Familie den Schritt in die Schweiz wagen?
Ich kann nur von uns sprechen. Wir leben nun ein sehr viel ruhigeres und entspanntes Leben. Es ist diese Zufriedenheit, die nun bei uns eingezogen ist. Die Verbundenheit zur Natur wurde total gestärkt! Wir waren vorher keine Wanderleute. Haben vorher auch noch nie die Saftigkeit einer Wiese bestaunt. Das alles ist erst in der Schweiz mit uns passiert. Und es tut uns so unglaublich gut. Es war für uns die beste Entscheidung, die wir mal eben spontan getroffen haben. 


Liebe Marzi, ich danke dir für diesen spannenden Einblick in dein Leben. Es klingt wirklich ganz zauberhaft, wie euer kleines Familienmärchen wahr geworden ist. Toll, dass ihr in der Schweiz eure neue Heimat gefunden habt.

Wer von euch träumt auch vom Auswandern oder hat vielleicht schon die Koffer gepackt und Deutschland den Rücken gekehrt? Mich würden eure Träume und Wünsche für die Zukunft interessieren. Seid ihr glücklich in Deutschland? 

Ich wünsche euch noch einen schönen Sonntagabend, kommt gut in die neue Woche,

Laura

PS: Ihr seid auch Mama, lebt anders als die anderen Familien oder sogar im Ausland? Vielleicht habt ihr Lust bei "Entschuldige, wo genau?!" - Mütter an besonderen Orten mitzumachen. Schreibt mir per Mail (klick).

Kommentare:

  1. Ich verfolge Marzi auf Instagram und bin immer ein bisschen neidisch, wenn ich ihre Bilder aus der Schweiz sehe. Ich liebe die Berge! Könnte mir aber nicht vorstellen dort auf Dauer zu wohnen (glaube ich)

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  2. Oh, hat Marzi auch einen Blog?
    Vielen Dank für den Einblick,
    Bibi

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  3. Das war aber ein wirklich schöner Beitrag :) Freunde von uns sind auch vor kurzer Zeit in die Schweiz ausgewandert und haben auch nicht vor zurück nach Deutschland zu kommen, weil es ihnen in der Schweiz so gut gefällt :)

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  4. Herziger Beitrag. Ich wohne (seit Geburt) auch in der Schweiz und kann sagen, dass in Punkto Mama und Arbeit, das gar nicht stimmt was die Marzi sagt. Sorry :D Es gibt Mamas, die zu Hause bleiben. Ja! Aber eher auf dem Land. Die meisten gehen aber wieder ihrer Arbeit nach nach einer Geburt. Und das mit der Anerkennung. Dies wird leider weder finanziell anerkennt noch vom Status her, sieht man auch immer wieder bei den Abstimmungen. Die meisten Mamas die ich kenne gehen aber mindestens 60 % arbeiten und in Punkto Elternzeit haben wir gerade mal 14 Wochen, was mit den nordischen Länder verglichen doch sehr wenig ist. Aber die Schweiz ist total schön! :) Das stimmt.

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  5. Oh was für ein toller Bericht und schon wieder so schöne Fotos! Da kriegt man richtig Fernweh! :-)
    Ich liebe die Schweiz! Ich hab bisher "nur" Zürich kennengelernt, jedoch hatte ich mich damals sofort verliebt! Auswandern kommt für mich aber (noch??) nicht in Frage. Ich liebe Struktur und Regelmäßigkeit ;-)

    Danke Marzi für deinen Einblick!

    Liebe Grüße an dich und Laura,
    Janina

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  6. Ich bin auch aus der Schweiz, also Schweizerin pur. :-) Der Beitrag ist nett, etwas romantisch mit den Bildern, aber ja, auch so ist die Schweiz. Aber es gibt auch andere Seiten. :-)
    Und ich muss Mama Leone recht geben, das mit Arbeit und so, dass stimmt nicht ganz. Alle meine Freundinnen (müssen) arbeiten, manche sogar ganz viel. Ich arbeite auch, seit mein kleiner Mann 5 Monate alt ist. Also nix mit daheim bleiben. Und das mit der Anerkennung...ich finde es nicht gross anders als in Deutschland. Wir haben vor meiner Schwangerschaft in Hamburg gelebt und ich fand es da fast kinderfreundlicher punkto Elternzeit, Kitas etc.

    Aber ja, die Schweiz ist wunderschön. So viel Natur, viel Ruhe. Ich liebe es hier zu leben und bin glücklich, wieder da zu sein. Zu Hause.

    Liebe Grüsse
    Claudia

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  7. Ich bin auch aus der schönen Schweiz... :). Es ist wahrhaft ein schöner Ort um Kinder zukriegen. Mein Mann und ich sind nach 7 Jahren unterwegs gewesen in verschiedenen Ländern und haben uns richtig entschieden wieder nach Hause zurück zukehren um eine Familie zu gründen. Meine kleine Tochter ist nun auch schon 9 Monate alt und ich arbeite auch schon wieder. Wir haben leider nur 14 Wochen Schwangerschaftsurlaub :(... Was man danach macht ist jedem selbst überlassen. Wenn es finanziell aufgeht zu Hause zu bleiben, wäre das schon ein Traum für Mama und Kind. Doch meist ist es leider schon nicht so hier... :(. Doch haben wir andere Vorteile... Einkaufstipps wären zum Beispiel Second Handläden. Da hat es sehr oft ganz hübsche Sachen. Man legt sehr viel Wert darauf, dass alles in einem Top Zustand ist. Auch bei Major gibt es sehr hübsche Kleider oder wenn man es doch gemütlicher angehen möchte kann man bei verbautet Online mal rein schauen... ;O).
    Liebe Grüsse
    Chrissi

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