Sonntag, 20. Oktober 2013

"Entschuldige, wo genau?!" - Mütter an besonderen Orten.


Durch meinen Blog habe ich viele tolle Menschen kennenlernen dürfen. Die meisten sind wie ich Mama und zu manchen Leserinnen hat sich sogar ein netter Kontakt entwickelt. Es wird sich ausgetauscht, über Neuigkeiten berichtet und man findet immer ein offenes Ohr, wenn die Nächte mal wieder katastrophal waren. Die meisten Familien wohnen wie wir an einem normalen Ort in Deutschland. Der Stadtkern nur ein paar Minuten entfernt, den nächsten Supermarkt nebenan und auch das Angebot an Ärzte und Frisöre kann einen schonmal erschlagen.

Hellhörig wurde ich, als mich eine liebe Leserin aus Borkum anschrieb. Sie wurde von meiner alten Schulfreundin auf "Räuberherz" aufmerksam gemacht. Da es auf der Insel nicht so viele Mütter gibt zum Austausch, ist so ein Blog im Internet natürlich spannend. Für mich als normale Stadtmama mitten im Ruhrgebiet ist dagegen das Leben auf einer Insel völliges Neuland. Mit Baby in einem Ferienparadies, klingt doch wie ein Traum, oder? 

Ich wollte mehr wissen und die Idee meiner neuen Blogserie entstand. Ich möchte mehr von den Müttern erfahren, die ihr Leben unter ganz anderen Umständen meistern. An einem untypischen Ort oder in einem anderen Land. All das klingt für mich unheimlich spannend. In den nächsten Wochen möchte ich euch hier Mütter und ihre Familien vorstellen, deren Leben sich doch etwas anders gestaltet. 

Den Start macht eine super sympathische Mama, der jeden Tag eine steife Briese um die Ohren weht. Viel Vergnügen & Freude! :)


Erzähle mir etwas über den Ort, in dem du und deine Familie leben.

Mein Name ist Karen. Ich bin 36 Jahre alt und wohne mit meinem Mann und meinem kleinen Sohn Max (15 Monate) auf Borkum. Ich bin schon 15 Jahre auf der Insel. Im Moment habe ich Elternzeit. Sonst arbeite ich als Erzieherin in einer Mutter-Kind-Klinik, wo ich auch meinen Mann kennengelernt habe.

Borkum ist mit ihren 6000 Einwohnern und ca. 31 Quadratkilometern die größte der ostfriesischen Inseln. Hinzu kommen noch die zahlreichen Kurgäste und ca. 250.000 Touristen im Jahr. Die Insel ist mit einer zweistündigen Schifffahrt von Emden aus zu erreichen. Mit dem Katamaran braucht man nur eine gute Stunde. Bis zum Anleger fährt ein Zug, der Emslandexpress. Das Auto lässt sich mit auf die Insel nehmen oder im Emdener Außenhafen parken. Von Eemshafen (Holland) aus fährt die Fähre nur eine knappe Stunde. Erreichbar ist der Anleger nur mit dem Auto. Eine Bahnstrecke ist in Planung.


Hatte dein Wohnort positive oder vielleicht auch negative Auswirkungen auf die Schwangerschaft und die Geburt deines Kindes?

Zum einen ist das Inselleben sicherlich etwas ruhiger und gelassener als das Stadtleben. Dies war natürlich gerade in der Schwangerschaft sehr angenehm. Jedoch ist schon die Auswahl eines Gynäkologen recht überschaubar, da es nur einen gibt. Erschwerend kommt hinzu, dass dieser häufiger zu Seminaren, Lehrgängen etc. auf dem Festland ist. Bei Komplikationen würde das eine Fahrt auf das Festland oder einen Ausflug mit dem Helikopter bedeuten. Dieses Problem der Überfahrt gab es bei uns Ende Juni bei Verdacht auf eine Schwangerschaftsvergiftung, die sich nach zwei Tagen Krankenhausaufenthalt zum Glück nicht bestätigte. Weiterhin kommt hinzu, dass es keine Hebamme auf der Insel gibt. Das heißt, dass sich jegliche Geburtsvorbereitung auf die zehn Tage vor der Geburt richtete, die ich zum Glück bei meiner Familie auf dem Festland verbringen konnte. Für Insulaner gestaltet sich diese Situation noch schwieriger. Auch eine Unterstützung nach der Entbindung war vor Ort somit nicht gegeben.

Wäre ich, wie viele Insulaner, situationsbedingt bis zur Entbindung auf der Insel geblieben und dann ausgeflogen worden, wäre Max nicht am Leben. Beim Einleiten der Geburt (eine Woche über Termin) kam es im Krankenhaus zum drastischen Abfall der Herztöne und Max musste per Notkaiserschnitt innerhalb von fünfzehn Minuten geholt werden.

Da es hier auf der Insel keinen ausgewiesenen Kinderarzt gibt (nur eine Allgemeinmedizinerin, die die U-Untersuchungen machen dürfte und bei Max nur die Impfungen übernimmt), müssen wir immer für den Besuch beim Kinderarzt für einen ganzen Tag nach Emden fahren, was mit einem zusätzlichen Zeit- und Kostenaufwand verbunden ist.


Pekip, Stillcafe, Musikzwerge, Babyschwimmen & Co. - Was für Möglichkeiten werden dir und deinem Kind angeboten?

Wir haben eine Krabbelgruppe (nach vielen Diskussionen) gefunden. Die anderen Kinder sind jedoch alle ein Jahr älter als Max. Die für unser Alter entsprechende Gruppe war voll. Vielleicht wäre das Ganze anders gelaufen, wenn wir Insulaner wären.

In der Grundschule wird musikalische Früherziehung und Sport angeboten, was allerdings erst für Kinder ab ca. 1,5 Jahren gedacht ist.

Es gibt leider kein angeleitetes Babyschwimmen, trotz tollem Schwimmbad und Interesse bei den Inselmüttern.

Das Kinderspielhaus (kleiner Indoor-Spielplatz) bietet Spielmöglichkeiten bei schlechtem Wetter, jedoch ohne Begleitung oder Anleitung. Es wird auch gut von Touristen genutzt, sodass die Räumlichkeiten oftmals mit vielen Kindern besetzt sind und man mit kleinen Kindern "untergeht". 

Im Kindergarten werden ein paar Termine für Eltern-Kind-Treffen angeboten, die zum Kennenlernen der Familien dienen sollen, die bald ihre Kinder in die Kindertagesstätte geben.


Kein Ikea und kein H&M - Wie hältst du das aus?

Internet! Internet! Internet! Schon während der Schwangerschaft war dies die einzige Möglichkeit, sich kleidungsmäßig einzudecken und Vorbereitungen zu treffen. Die Versandhäuser nehmen jedoch hohe Speditionskosten (zb. Ikea fast 70 Euro), was die Anschaffung von Möbeln schwierig macht. Die Kinderzimmereinrichtung haben wir auf dem Festland gekauft und dank des Schwiegervaters mit dem Auto auf die Insel gebracht bekommen (Autotransport auf der Fähre für Hin- und Rückfahrt ca. 120 Euro).

Natürlich haben wir unsere Aufenthalte auf dem Festland dazu genutzt, um uns dann erst einmal wieder einzudecken. Eine Tagesfahrt nach Groningen, die von der Insel aus angeboten wird, kann da leicht zum Shoppingtag werden.



Hier auf dem Festland gibt es Unmengen an Kindergärten und Grundschulen. Wir Eltern haben die Qual der Wahl - wie ist das bei euch?

Bei uns gibt es keine Auswahl, da es nur einen Kindergarten und eine Grundschule gibt. Da ist es egal, ob man mit der pädagogischen Arbeit zufrieden ist oder nicht.


Warum sollte eine 0815-Stadtmutti inkl. Familie auf die Insel ziehen?

Weil es hier einen Hauch von "Heile-Welt-Charakter" gibt. Alles läuft ruhiger und bedachter ab. Jedes Örtchen lässt sich zu Fuß oder mit dem Fahrrad innerhalb von fünfzehn Minuten erreichen. Spielplätze und der Kurpark sind schnell zu finden. Einkaufsmöglichkeiten gibt es viele, Edeka, Markant und LIDL (Preise und Auswahl wie auf dem Festland). Es gibt keine Ampeln und viele verkehrsberuhigte Straßen. In der Hauptsaison ist im Zentrum Fahrverbot. Dünen, Strand und Meer sind direkt vor der Haustür und bieten genügend Raum für Wanderungen und Fahrradtouren. Für die Kleinen ist das ein beeindruckendes Naturerlebnis. Schaut euch einfach die Fotos an, die sagen mehr als 1000 Worte!

Liebe Karen, ich danke dir für diesen kleinen Einblick in dein Inselleben. Ich habe großen Respekt vor deiner Entscheidung, Max auf der Insel großzuziehen und glaube nur die Wenigsten würden sich diesen Schritt "Inselleben + Kind" zutrauen.

Die tollen Bilder habe ich von meiner alten Schulfreundin Nicola, die ihre "große Liebe" auf der Insel gefunden hat - Du Liebe, ich danke dir für deine Motivation und deine guten Nerven! ;)

Wie seht ihr das? Könntet ihr euch ein Leben weit weg vom Festland vorstellen? Karen und ich freuen uns über Fragen und Anregungen.

Ich wünsche euch noch einen schönen Sonntagabend und einen entspannten Start in die Woche,

Laura

PS: Ihr seid auch Mama, lebt anders als die meisten Familien oder sogar im Ausland? Vielleicht habt ihr Lust, bei "Entschuldige, wo genau?!" - Mütter an besonderen Orten mitzumachen. Schreibt mir per E-Mail (klick)!

Kommentare:

  1. Was für eine wundervolle Idee, was für ein zauberhafter Ort und was für ein tolles erstes Interview. Klasse. Sina

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  2. Hallo Laura,
    da kommen ja direkt Urlaubsgefühle hoch :) Find die Idee mit der Reihe super, bin eigentlich eine stille Leserin aber hab gedacht ich muss mich doch auch mal zu Wort melden. Bin gespannt an was für spannenden Ort wir noch entführt werden. LG Ina

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  3. Die Bilder sind wirklich der Hammer... richtig toll! Da lebt es sich sicher toll, trotz Hindernisse!

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  4. Hallo!
    Das ist eine super Idee,die Du da hattest.Ich werde es auf jeden Fall mitverfolgen.
    Als ich von der Mama auf Borkum las,hat mein Herz einen kleinen Hüpfer gemacht,da ich das Meer liebe,und als Norddeutsche (seit 14 Jahren NRWlerin) so gern am Meer leben würde.
    Die Bilder sind atemberaubend.
    Aber das Leben auf einer Insel würde ich mir nicht zutrauen.Zwar wohne ich in einer Kleinstadt,aber das brauch ich auch zumindest.
    Dennoch hab ich großen Respekt davor.Danke für den tollen Bericht.
    LG
    Ronja

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  5. Die Fotos!! Wunderschön! Ganz toll! <3

    Das Interview und die Idee sind klasse, ich freu mich auf mehr!

    Liebste Grüße
    Isa

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  6. Spannend!! Wohne selbst auf Norderney, werde bald Mama und lese interessiert, was gleich ist und was sich unterscheidet - von Insel zu Insel :-)

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  7. WOW! bin gerade auf deinen Blog gestoßen und das was du hier bietest ist WUNDERVOLL! Ich liebe es!!! Der Bericht ist Klasse geworden. interessiere mich total dafür wie andere MÜTTER leben, vor allem in einem "anderem" Umfeld. Danke für die tolle Idee. Ich werde sofort leser und finde deinen ganzen Blog richtig richtig toll.
    Liebe Grüße
    Lydia

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