Donnerstag, 25. April 2013

Kind! Einfach nur Kind!

Heute habe ich einen bekannten Kinderkatalog aus dem Briefkasten gefischt. Der Spruch auf dem Cover sprang mir direkt ins Auge:

"Es gibt nichts, was ein Kind nicht werden kann -
wenn es erstmal eines sein darf: Kind! Einfach nur Kind!"

Ich musste schmunzeln. Denn genau gestern habe ich mich mal wieder in meine Kindheit zurück versetzt. Meine Kindheit war unbeschwert. Ich durfte nach den Hausaufgaben mit meiner Schwester, den Nachbarskindern oder Freunden spielen. Im Garten fangen oder verstecken, manchmal auch Pferd. Oder im Wald, der hinter dem Garten meiner Eltern liegt. Dort wurde über Bombentrichtern balanciert, Robin Hood gespielt oder eine Grashüpfer-Farm gegründet. Ich ging 1x die Woche zum Blockflötenunterricht und 1x zum Schwimmen. Bevor ich mit dem Schwimmunterricht gestartet habe, war ich in einem Mädchenchor. Wenn die Kirchenuhr um 18 Uhr geläutet hat, musste ich rein. Es wurde Sesamstraße geguckt und danach wurde noch ein Buch gelesen und es ging ins Bett.

Meine Eltern haben mir Grenzen gezeigt. Die mir Sicherheit gegeben haben. Angst, nach Hause zu kommen, hatte ich nie. Ich durfte mich im Sand und auf den Bäumen dreckig machen. Klar, begeistert wenn eine Jeans kaputt riss, war meine Mama nicht. Aber Ärger, weil ich mich dreckig gemacht habe, gab es nie. Es gab ja auch schließlich die "Draußenkaputtgeh-Jeans" und den "Kannichdreckigmachen-Pulli". Auch herrschte in meiner Grundschulzeit ein Tamagotchi-Hype. Alle meiner Freunde hatten ein kleines Kücken. Meine Eltern blieben hart. Ich ging leer aus und musste lernen, mit Frust umzugehen.

Wenn ich mal keine Lust auf den Schwimmunterricht hatte, versuchte ich mit kleinen Notlügen wie Bauchweh, Kopfschmerzen usw. meine Eltern zu überzeugen, dass im Garten spielen viel besser ist.
Es half nicht immer, trotzdem hatte ich nie das Gefühl in etwas reingezwungen zu werden. Sie haben mich in meinen Stärken und Wünschen unterstützt und geschafft mir eine wundervolle Kindheit zu geben.

Die Kinder von heute sind so ganz anders. Ich habe eine kleine 6 Jahre alte Schwester. Gestern war ihre Freundin zu Besuch. Die beiden haben im Garten gespielt. Der Sandkasten wurde vorher schon zu gemacht, ihre Freundin macht sich nämlich ungern dreckig und spielt nicht im "Dreck".

Dadurch das meine Schwester erst in die Grundschule geht bekomme ich hautnah mit, wie extrem der Konkurrenzkampf unter den Müttern schon ist.

Spielt ein Kind Geige muss mein Kind natürlich auch Geige spielen. Da wird geturnt, weil die anderen Mädchen auch turnen gehen. Da werden sofort neue Inliner gekauft und jeden Tag geübt, weil 2 Kinder aus der Klasse Inliner fahren. Da wird Tennis gespielt, schließlich spielt der Nachbar auch Tennis  - Tennis braucht man für sein Leben. Da wird penibel auf Sauberkeit geachtet, "Das Auto müsste auch mal wieder geputzt werden!" sich von einer 6 jährigen Freundin der eigenen Tochter sagen zu lassen - hart! Da wird der Kindergeburtstag nicht mehr mit "Topfschlagen" verbracht, sondern in einem "Build-A-Bear" Laden. Englisch wird jeden Tag geübt. Schließlich steht jetzt schon fest, dass das "I-Dötzchen" auf das Gymnasium geht.

Ich könnte noch viele weitere Bespiele aufschreiben.

Mir macht das manchmal Angst. Ich bin mit meiner Kindheit und Erziehung so zufrieden, dass ich meinen Sohn davon profitieren lassen möchte.

Ich möchte nicht, dass mein Sohn denkt er müsste der Beste sein. Ich möchte nicht seinen 6. Geburtstag als riesen Event ausarten lassen - denn wie soll ich das steigern? Ich möchte nicht, dass das Gastgeschenk teurer ist als das Geschenk für das Geburtstagskind. Ich möchte mein Kind nicht in 4 Vereinen gleichzeitig anmelden nur weil ich meinen Mutterstolz nicht im Griff habe.

Ich habe eine bestimmte Vorstellung wie ich mein Kind durchs Leben lenken möchte. Ich möchte ihm Anregungen geben und zur Seite stehen. Aber zum Schluss soll immer Paul derjenige sein, der auch auf eine unbeschwerte Kindheit zurückblicken kann.

Ich wünsche mir nichts mehr als mir und meinen Vorstellungen treu zu bleiben, denn es gibt nichts schlimmeres, als (manche) Mütter anderer Kinder!


Kommentare:

  1. So schön geschrieben Laura und wirklich ein toller Spruch auf dem Katalog...so wahr! Kindheit hat sich gewandelt...oder eben auch nicht...hängt mit Sicherheit auch von uns Eltern ab!

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  2. Ein wirklich schöner Post!
    Als Mutter (oder Eltern) setzt man sich immer wieder mit verschiedenen Erziehungsfragen auseinander und ich muss zugeben, dass ich manchmal mit mir hadere, gar zweifel...da ist die Sorge, nicht alles richtig zu machen (was man auch gar nicht muss...). Ich überlege hin und her, ob ich die richtigen Entscheidungen treffe, ob es das Beste für mein Kind oder für mich ist...bei einem Kind hatte ich diese Gedanken kaum, aber bei mehreren wird es schwieriger. Vier unterschiedliche Menschen, vier unterschiedliche Alter, vier unterschiedliche Charaktere...und eine Mama, die hofft, dass ihre Kinder dennoch, eines Tages wundervolle, selbstständige und vor allem glückliche (erwachsene) Menschen werden!

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  3. Ein wunderschöner Post! Der Spruch aus dem Katalog könnte praktisch ein Buchtitel werden oder gar ein Lebensmotto! Für viele von uns Erwachsenen fällt es schwer, die Sicht und das Wissen unserer Erwachsenenwelt loszulassen um in die, der Kinder eintauchen zu können. Erst wenn man versteht, wie Kinder die Welt entdecken, weiß man, wie man sie wirklich glücklich macht.
    Alles Liebe,
    Anna

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  4. Hallo meien Liebe!
    Danke für deinen wundervollen Eintrag! Bin ich wieder froh, auch eins von deinem Fragezeichen im Kopf beantwortet zu haben...es ist!
    Ich Liebe deinen Blog gaanz besonders! <3 Räuberherz, einfach was für uns Mamas mit Jungs!
    Sei fest Umarmt!

    Juliane

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  5. Hallo! Das ist total lustig, bin gerade über deinen Blog gestolpert und gestern über ein ganz ähnliches Zitat, das mich zu ganz ähnlichen Überlegungen wie deinen angeregt hat: "We worry about what a child will be tomorrow, yet we forget that the child is already someone today."(Stacia Tauscher)Dein Post kann ich 1:1 unterschreiben!

    Liebe Grüße Karin

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  6. Hallo Laura,

    ich bin grade über facebook auf deinen Blog gestoßen und wirklich begeistert!!!
    Wie schön, mal so spontan an unsere Kindheit erinnert zu werden :-) Bei euch zuhause habe ich mich auch immer total wohl gefühlt! Vor allem deine Kindergeburtstage mit Schokofondue und Bleigießen sind mir noch lebendig und als sehr schön in Erinnerung...
    Du machst das schon genau richtig!

    Liebe Grüße und alles Gute für euch Drei,
    Julia Schmidt

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    1. Hey Julia,

      ich freue mich sehr von dir zu lesen. Danke für deine lieben Worte.
      Alles schon so lange her! :)

      Bis bald und liebe Grüße,

      Laura

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  7. Schöner Text und viel Wahrheit.

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  8. Sag mal Laura, machst du die Beanies selbst? Ja oder?

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