Mittwoch, 17. April 2013

Hundemensch.

Ich war mir erst nicht sicher, ob diese Geschichte hierher gehört. Aber sie gehört zu uns und hat uns gezeichnet, also erzähle ich sie euch.

Ich wollte schon immer einen Hund haben. Als ich noch bei meinen Eltern gelebt habe, durfte ich keinen haben. Vernünftigerweise.
Als Kind und Teenager hätte ich die Verantwortung auch gar nicht tragen können.

Im September 2010 haben wir uns in eine kleine Französische Bulldogge verliebt.


Kalle zog bei uns ein. Er war unser ganzer Stolz und hatte viele Privilegien.
Wer selbst einen Hund hat, weiß, wie schwer es ist diesen niedlichen Kulleraugen zu widerstehen.
Im November 2012 wurde ich schwanger und wir sind umgezogen.

In dieser Zeit hat sich Kalle sehr verändert.
Menschen die uns besuchen wollten wurden angebellt und bedrängt. Ein kleines Pläuschchen mit den Nachbarn und Kalle an der Leine war leider unmöglich geworden.
Wenn ich Dinge vom Boden aufheben wollte oder wegwischen musste, ist Kalle ausgeflippt.

Wir haben Monate mit verschiedenen Trainern und Methoden geübt und versucht ihm den richtigen Weg zu zeigen.
Aber je mehr ihm sein Platz in der Rangordnung gezeigt wurde, desto aggressiver wurde Kalle.
Ich war mit den Nerven am Ende.
Wie soll das funktionieren?
Ein Baby und Kalle?
Ich wäre tagsüber mit den Beiden alleine gewesen.
Nächtelang habe ich gegrübelt und geweint.
Ich wollte meinen Hund nicht aufgeben, schließlich war Kalle mein Hundebaby. Jeder Hundebesitzer kann sich vorstellen, wie unerträglich diese Situation war.
Aber es hätte nur etwas auf den Boden fallen müssen und Kalle hätte versucht zu maßregeln. Meine Anspannung und Angst hat sich komplett auf den Hund projiziert.
An ein entspannten Zusammenleben war nicht zu denken.

Nach vielen Gesprächen sind wir uns einig geworden, dass wir Kalle nicht das geben können, was er benötigt. Wir haben alles versucht - bestimmt auch viele Fehler gemacht - aber Kalle benötigt noch viel mehr Zeit und Verständnis.
Wir sind an unsere Grenzen gestoßen und haben an dem Zeitpunkt nach einer neuen Heimat für Kalle gesucht.

Tierheim? No Go!
Tierbörse? Wie soll das funktionieren?

Kalle hätte jeden Interessenten vergrault. Er braucht jemanden, der sich mit Härtefällen auskennt und nicht bei jedem Rückschlag aufgibt.


Durch das Internet sind wir auf "Alina und die Fellnasen" aufmerksam geworden. Alina lebt in Franken in einem großen Haus mit großem Garten. Sie hat ein Herz für "Problemis" und gibt Hunden einen Platz fürs Leben.
Irgendwann stand fest, dass Kalle in ihr Rudel darf.

Heute vor einem Jahr sind wir mit Sack und Pack ins schöne Frankenland gefahren.
Wir haben Alina und Kalles neues Rudel persönlich kennenlernen dürfen.
Wir hatten ein super Gefühl. Besser kann es ein Hund nicht treffen. Kalle hatte einen 6er im Lotto.
Ohne Tränen konnte ich meinen geliebten Hund hier lassen.

Wieder zu Hause war da die unerträgliche Stille und dieser Schmerz.
Ein Teil von mir wurde mir genommen.
Alina hat versucht mir die Trennung leichter zu machen. Bilder wurden täglich geschickt und neue Erfolgserlebnisse ausgetauscht.
"Warte mal ab. Wenn dein Paulchen da ist, wirst du keine Zeit mehr haben so traurig zu sein. Der Kleine fordert deine ganze Aufmerksamkeit." Ich hatte gehofft, dass Alina damit recht hat.

Heute kann ich sagen, dass es die beste Entscheidung war. Ich vermisse meinen Hund immer noch sehr. Bin aber froh, dass Paul ganz normal Baby sein darf. Auf dem Boden liegen, Gegenstände aufheben, die Welt erforschen.
Ich war in meiner Schwangerschaft so angespannt, weil ich nicht wusste, was der richtige Weg ist. Ich habe ihn gefunden. Für mich, mein Baby und meinen Hund. Dank einer Frau, die ihr Leben den Hunden schenkt. Hunde, die in normalen Familien keine Chance hätten.

Kalle ist weiterhin Einzelgänger. Im Rudel sorgt er für viel Wirbel und kann sich nur schlecht unterordnen. Er jagt Ratten und liebt es Löcher zu buddeln.

Dort darf er richtig Hund sein und das hätten wir ihm nie geben können.
Danke Alina!






Kommentare:

  1. Ach Laura, eine traurige Geschichte...aber auch eine, die Mut macht! Ich kann deine Gedanken sehr gut nachvollziehen...Nala ist ein Dobermann und hat einen ausgeprägten Jagdttrieb, wir haben zur Beginn der Schwangerschaft sogar das Ordnungsamt zuhause gehabt :-O
    Ich wechselte mit ihr die Hundeschule...kein Clickertraining mehr, sondern strenge Hundeerziehung über die viele den Kopf schütteln...wir machten mit ihr den Hundeführerschein, den sie bravourös gemeistert hat, aber sie darf nicht von der Leine. Es ist nicht immer leicht und jetzt, wo wir über eine erneute Schwangerschaft nachdenken, haben meine Eltern angeboten, sie zu nehmen. Noch möchte ich es nicht...aber ich weiß auch, das es schon mit einem Kind sehr aufreibend ist, immer genau aufzupassen, das nicht doch etwas passiert. Denn Momentan muss ich das Töchterchen ganz schön bremsen...es wird nicht immer nur gestreichelt, sondern auch mal "angebellt".
    Ich denke du hast die richtige Entscheidung für euch getroffen und euerm Kalle ein wunderschönes neues Zuhause gesucht <3

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    1. Danke für diese tollen Worte Judith! Es ist immer toll so hilfsbereite Eltern zu haben. Dann habt ihr wenigstens eine super Alternative. Zählt Nala denn zu den "Kampfhunden" oder wieso war das Ordnungsamt da? Du wirst die richtige Entscheidung schon treffen wenn es soweit ist.

      Liebe Grüße,

      Laura

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  2. Ich bin sicher Kalle bringt ganz viel Freude in sein neues Rudel - mit Artgenossen zu Spielen ist für die Kleinen doch das Größte, ganz ähnlich wie bei unseren lieben Sprösslinge!

    Die Dinge vom Herzen zu schreiben hilft hoffentlich ein bisschen!

    Liebe Grüße
    Saskia

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  3. Oh man, wirklich eine traurige Geschichte aber mit schoenen Ende. Ich finde es toll, dass ihr wirklich nach einer Loesung fuer euch und auch fuer Kalle gesucht habt! Umso besser, dass ihr sie auch gefunden habt :)

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  4. Also ich als Hundebesitzerin kann deinen Schmerz nachvollziehen. Wir hatten Charlie auch bevor die Kids gekommen sind. Er war erst ein paar Monate bei uns als es dann mit dem Schwanger werden geklappt hat :-) Ich war zuerst auch skeptisch, aber Golden Retriever sind ja bekannt dafuer das sie sehr Kinderfreundlich sind. Gott sei Dank hat auch alles super geklappt, er findet die Kids total toll, und laesst wirklich viel ueber sich ergehen, lach. Aber ich versuchen den Kleinen auch klarzumachen, das Charlie seine Ruhe will wenn er in seinem Korb ist.
    Ich denke ihr habt mit Eurem Suessen das Richtige gemacht. Und ihr habt ja einen ganz tollen Platz fuer ihn gefunden! Vielleicht bekommt ihr ja wieder einen in ein paar Jahren wenn Paul groesser ist.

    Viele liebe Gruesse,
    Katja

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    1. Hi Katja.

      Wenn wir uns nochmals einen Hund holen, dann nur einen richtigen "Familienhund". Es ist toll zu sehen wie der Labrador von unseren Nachbarn mit deren Tochter umgeht. Total entspannt. Freue mich sehr das alles so super läuft bei euch! Kinder die mit Tieren aufwachsen können sich glücklich schätzen!

      Liebe Grüße,

      Laura

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